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Dezember 2001 Liebe Freunde, ein gutes jahr nimmt ein boeses ende. Der unfassbare anschlag auf New York, der sich buchstaeblich vor meinen augen abspielte, wirft einen dunklen schatten ueber die weihnachtszeit. Wir sind gluecklich in unserem engsten freundeskreis alle wohlauf zu wissen. Dennoch sind auch wir im kollegen- und bekanntenkreis mitbetroffen. Noch im Juni war ich zu einem meeting im 105ten stock des North Tower bei Cantor Fitzgerald, von deren tausend mitarbeitern haben weniger als dreihundert ueberlebt. 1500 kinder haben allein innerhalb dieser firma ein elternteil verloren. Eure zahlreichen besorgten und troestenden anrufe und emails halfen uns die geschehnisse zu verarbeiten. Vielen dank dafuer. In zeiten wie diesen braucht man gute freunde. In den wochen nach dem anschlag befanden wir uns regelrecht im belagerungszustand. Kontrollen fast ueberall, die nationalgarde auf den strassen und immer wieder hoechste alarmstufe – was immer das auch bedeutet. Wir schienen uns im fadenkreuz der terroristen zu befinden und wussten nicht was zu erwarten war. Meine erinnerungen an die ereignisse koennt ihr unter www.pit.burkhardt.com/newyork nachlesen. Das jahr begann in einer anderen, unschuldigeren welt. Bis ende maerz hatten wir eine geschlossene schneedecke. Die kids - laengst routinierte skateboarder - waren zu weihnachten mit snowboards ausgeruestet worden und auch ich hatte mir ein gebrauchtes brett geleistet. Nach den unvermeidlichen prellungen hatten wir den dreh recht schnell raus. Es macht uns drei einen riesenspass zusammen die pisten runterzuflitzen. Hoehepunkt der saison war ein skiurlaub in Killington, Vermont, dem groessten skigebiet der ostkueste. Ende april gab es dort bei fruehlingshaften temperaturen noch meterhohen schnee. Beim anblick der "cool snowboard crowd" sprang dann auch fuer Ke der funke ueber - nun will sie es in dieser saison auch versuchen. Beruflich gab es wenig neues fuer mich dieses jahr. Die negative wirtschaftliche entwicklung macht sich im consulting bereich stark bemerkbar. Wir mussten einen grossen teil unserer belegschaft entlassen - ausnahmslos leute die gerade auf keinem projekt waren. So war ich sehr interessiert daran, mein projekt bei der Deutschen Bank zu verlaengern, was mir immer wieder gelang. Nun werden wir sogar nach 2002 hinein mit der bank im geschaeft bleiben. Tim beendete die elementary school mit abschluss der fuenften klasse. Beim letzten schulkonzert war er mit seinem sax teil des jazz ensembles: die jungen herren spielten mit dunklen sonnenbrillen den blues und zogen dabei eine riesen show ab. Seine graduation feier bot einen rueckblick ueber die schoene zeit in der North Mianus School. Im Juli mieteten wir zusammen mit unseren freunden aus Hannoversch-Muenden zwei wohnmobile um den westen zu erkunden. Von Las Vegas aus ging es ueber den Lake Powell und Monument Valley nach Canyonlands und Arches National Park, und dann ueber den Bryce Canyon wieder zurueck nach Vegas. Hoehepunkte waren die Landschaft des Monument Valley und dessen bewohner, die Navajos; Eine jeepfahrt ueber 100 wilde offroad meilen durch Canyonlands; Reiten durch das Kodakchrome Basin sowie viele erlebnisreiche wanderungen ( www.pit.burkhardt.com/utah2001). Im August brachte ich dann die jungs zu ihren grosseltern nach eislingen. Wie jedes jahr hatten sie eine tolle zeit und kamen drei wochen spaeter mit aufgefrischtem deutsch zurueck. Ke und ich nuetzten die zeit zu zweit fuer ausfluege nach Neu England. Wir besuchten Gloucester in Massachusetts und Portsmouth in New Hampshire. Ricco’s grossem wunsch des jahres kam ich gerne nach. Zum geburtstag bekam er eine Fender Stratocaster mit ¾ mensur. Nach einigen wochen ueberzeugte er mich, dass er gerne bass spielen moechte und wir fanden eine gebrauchte bassgitarre mit normaler mensur. Nun spielt er beide instrumente. Es ist faszinierend zuzusehen, wie er mit seinen kleinen haenden auf dem grossen bass zurecht kommt. Er hat den rhythmus im blut! Wir jammen regelmaessig zusammen, dass die waende wackeln. Nach jahren der abstinenz komme ich so wieder viel zum spielen. Das bewog mich auch meine rock’n roll zeiten fuer die jungs aufzuschreiben - nachzulesen auf www.pit.burkhardt.com/music. Mit dem neuen schuljahr kam Tim in die junior highschool. Obwohl die anforderungen nochmal kraeftig zunahmen macht er sich ausgezeichnet und erreichte auf anhieb die honor roll - ein ehrentitel fuer ausgezeichnete leistungen. Wir beneiden ihn um seine lehrer - solche haetten wir uns auch gewuenscht! Beispielsweise kennt der rektor alle seine schueler beim namen und begruesst am morgen jeden per handschlag. Dort lernte er auch seinen freund Daven kennen, von dem er seither unzertrennlich ist. Die beiden verabreden sich haeufig zum "hang out in town" dem verschlafenen zentrum Old Greenwich’s. Besonders seit september interessiert er sich sehr fuer die nachrichten und wir haben viele interessante diskussionen. Unsere welt war also rundherum in ordnung, bis sie am elften september aus den angeln gehoben wurde. Das mag ein vorgeschmack sein auf die herausforderungen des 21sten jahrhunderts. Wir alle sind gefordert partei zu ergreifen fuer toleranz, menschlichkeit, freiheit und verstaendigung unter den kulturen, gesellschaften und religionen. Wir sind entschlossen dem terror die stirn zu bieten indem wir New York die treue halten und zum alltag zurueckkehren. Die trotzige entschlossenheit sich nicht unterkriegen zu lassen, ist hier ueberall gegenwaertig. Die ungeheure welle der solidaritaet der New Yoerker ueber alle religionen und kulturen hinweg ist ein ermutigender gegenpol zu den schrecklichen ereignissen. Inzwischen funkeln wieder die weihnachtslichter in Manhattan. Am Rockefeller Plaza trohnt der grosse weihnachtsbaum ueber dem von amerikanischen flaggen gesaeumten eisring. Dieses jahr erstrahlt er in rot-weiss-blau. Traurig, aber stolz. Und so wird auch unsere stimmung sein an diesem weihnachten. Wir wuenschen euch frohe weihnachten, fuer 2002 alles gute und dazwischen einige tage zum abschalten. Keep in touch! Eure Kerstin, Pit, Tim, und Ricco |